Kutschenkorso in Sevilla

Fototipp


-> English text below

Heute möchte ich Dir ein Bild vorstellen, das in meinen Augen perfekt ist und Dir erzählen warum ich das so sehe und wie dieses Bild entstanden ist.



Was ist das perfekte Bild?

Kann es das überhaupt geben?


Wenn man Glück hat ja.

 Doch wie Du wahrscheinlich auch schon beim Fotografieren erfahren hast, muss man es manchmal „programmieren“, damit sich das Glück einstellen kann.
 Bei diesem Bild stimmt jedes Detail und ich könnte es heute nicht besser machen.
 Dabei waren die Umstände für dieses Bild äußerst schwierig:

  • grelle Mittagssonne

  • dunkle Rappen

  • heller Hintergrund

  • und Pferde in voller Bewegung vor einer Kutsche.

Ort der Aufnahme: Die Stierkampfarena von Sevilla.

 Anlass: Das alljährliche Kutschenkorso, bei dem vom Einspänner bis zum 11-Spänner die schönsten Gespanne präsentiert und prämiert werden.


Bewegungsporträt bei schwierigen Verhältnissen

Zunächst war es schwierig in der Arena einen guten Standpunkt zu finden, denn man durfte nicht zu hoch in die Ränge gehen, um nicht zu sehr von oben zu fotografieren. Die ersten Reihen waren besetzt und ich konnte mir nur eine Position am Ausgang erkämpfen. Die Sonne war sehr grell und lies die Farben ausbleichen. Je nach Fellfarbe der Pferde musste ich die Kamera jedesmal neu einstellen. Bei den Rappen lies eine knappe Überbelichtung mehr Zeichnung in das Fell kommen, wie ich feststellen konnte.


Doch das Perfekte an diesem Bild ist die Komposition und der Gleichklang der Pferde in der Bewegung. Die beiden Andalusierhengste sehen fast wie Zwillinge aus. Die Haltung ihrer Köpfe ist identisch, wie auch die Rundung der Hälse. Die eingeflochtenen Zopfbänder stehen kerzengerade auf den prächtigen Hälsen. Auf den Scheuklappen ist das Wappen der Züchterfamilie sichtbar. Rosetten und Schmuckteile glänzen silbern im Sonnenschein. Das Kummetgeschirr ist mit vielen prächtigen Details verziert. Die beiden Rappen sind so vollkommenen im Gleichklang, dass sogar die Stellung der Ohren identisch ist.


Darüber hinaus stimmt auch der Hintergrund und repräsentiert mit dem Rundbogengang der oberen Ränge das geschichtsträchtige Spanien. Bunt und dekorativ erscheinen die Menschen auf den Rängen, eingerahmt von dem Rot der hölzernen Bande der Arena und darunter das warme Gelb des Sandes. Der Hintergrund erscheint nahezu parallel, so dass keine perspektivischen Verzerrungen vorliegen..




Ein perfektes Bild - viel Arbeit dahinter

Wie gesagt, in meinen Augen ein perfektes Bild! Doch es steckt viel Arbeit dahinter: Ich habe ca. drei Stunden fotografiert, um einige wenige so perfekte Bilder herauszubekommen:

  • Drei Stunden in der prallen Sonne mit einem schweren 300mm Objektiv in der Hand

  • Drei Stunden in denen ich mit Schlagschatten und Gegenlicht kämpfte.

  • Drei Stunden, in denen ich überwältigt war, von der Vielfalt der Kutschen und Gespanne.

Bei der grellen Sonne war es zwar kein Problem eine hohe Verschlusszeit einzustellen, um eine ausreichende Tiefenschärfe zu bekommen. Aber Kutschen und Fahrpferde zu fotografieren ist schwieriger, als man sich das in der Regel vorstellt.


In jedem Fall sollte man unbedingt mit dem Vorteil eines Zoomobjektivs arbeiten, das die Pferde näher beisammen erscheinen lässt, als dies in Wirklichkeit der Fall ist. Mit dem Zoom können wir vier Pferde vor der Kutsche zu einer Gruppe verschmelzen lassen.


Dabei liegt die tatsächliche Schwierigkeit in der Notwendigkeit einer blitzschnellen Entscheidung, wohin man seinen Fokuspunkt legt: auf die Vorderpferde oder den Fahrer, auf die Köpfe oder die Körper der Pferde. In diesem Fall war es für mich ganz klar, dass die Scheuklappen der Mittelpunkt meines Bildes sein würden.


Ich hoffe, ich konnte Dir mit diesen Tipps ein bißchen weiterhelfen und Dich dazu ermutigen, Deine Kamera in die Hand zu nehmen und Dich auch einmal an schwierige Situationen heranzuwagen!


Lass Dich niemals entmutigen von den Umständen! Für wirklich "perfekte" Bilder muss man so manches Mal viel ausprobieren und lange fotografieren.



English text:

Today I would like to present you a picture that is absoluteyl perfect in my eyes. And I want to tell you exactely why I see it that way and how this picture was created.

What is the perfect picture?

Can it even exist?


If you are lucky, yes. But as you have probably already experienced while photographing, sometimes you have to "program" it to get lucky. With this picture, every detail is right and I couldn't do better today. But the circumstances for this picture were extremely difficult:

  • bright midday sun

  • dark centime

  • light background

  • and horses in full motion in front of a carriage.

Place of the shooting: The bullring of Seville.

Occasion: The annual carriage parade, in which the most beautiful carriages, from single to 11-horse carriages, are presented and awarded prizes.


Portrait of movement in difficult conditions

At first it was difficult to find a good position in the arena, because one was not allowed to go too high up in the ranks to avoid taking too much pictures from above. The first rows were occupied and I could only fight for a position at the exit. The sun was very bright and let the colours fade. Depending on the coat colour of the horses I had to adjust the camera every time. In the case of the black horses, a slight overexposure caused more markings in the coat, as I could see. But the perfect thing about this picture is the composition and the harmony of the horses in movement. The two Andalusian stallions look almost like twins. The posture of their heads is identical, as is the rounding of their necks. The plaited braids stand straight as a candle on the magnificent necks. The coat of arms of the breeder family is visible on the blinkers. Rosettes and jewellery parts shine silver in the sunshine. The collar is decorated with many splendid details.


The two black heads are so perfectly in tune that even the position of the ears is identical. In addition, the background is also correct and, with the round arch of the upper tiers, represents Spain, which is steeped in history. Colourful and decorative are the people on the terraces, framed by the red of the wooden band of the arena and below it the warm yellow of the sand. The background appears almost parallel, so that there are no perspective distortions.


A perfect picture - much work behind it.

As I said, in my eyes a perfect picture! But there is a lot of work behind it: I have spent about three hours photographing to get a few such perfect pictures out:

  • Three hours in the blazing sun with a heavy 300mm lens in my hand

  • Three hours in which I fought with drop shadows and back light.

  • Three hours in which I was overwhelmed by the variety of carriages and carriages.

In the bright sun, it was no problem to set a high shutter speed to get a sufficient depth of field. But taking pictures of carriages and driving horses is more difficult than one usually imagines.


In any case you should definitely work with the advantage of a zoom lens that makes the horses appear closer together than they actually are. With the zoom we can have four horses in front of the carriage merge into one group.The real difficulty lies in the need to decide in a flash where to focus: on the front horses or the driver, on the horses' heads or bodies. In this case it was quite clear to me that the blinkers would be the centre of my picture.

I hope I was able to help you a little with these tips and encourage you to take your camera in your hand and to dare to approach difficult situations!


Never be discouraged by the circumstances! For really "perfect" pictures you have to try a lot and take long shots.



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