Wie Du Pferde & Menschen fotografierst

Fototipp


Pferde alleine zu fotografieren, ist schon schwer genug, doch Personen mit auf dem Bild zu haben bedeutet, sich noch um einiges mehr kümmern zu müssen.


Entweder bekommt man "zufällig" ein schönes Bild, wie beispielsweise auf Veranstaltungen oder bei Festen. Denn dort haben sich die Reiterinnen und Reiter oder die Fahrer schon ihrem Auftritt schick gemacht oder dem Anlass nach passend gekleidet. Oft tragen sie herrliche Trachten, edle Kostüme oder andere auf das Pferd abgestimmte Outfits, die in Farben und Aufmachung einfach stimmig sind und das Fotografenherz erfreuen. Wenn sich dann noch zusätzlich eine schöne Lichtsituation ergibt, kann man auf jeden Fall mit guten Bildern rechnen.


Die andere Möglichkeit ist, ein Bild entsprechend der eigenen Vorstellungen zu arrangieren. Dazu muss man aber drei grundlegende Dinge beachten:


  1. Man sollte die Person und die Pferde, die man fotografieren möchte, sehr genau aussuchen und sie gut kennen.

  2. Wichtig ist natürlich auch, die richtige Location auszusuchen.

  3. Der Zeitpunkt des Fotoshootings und damit die jeweilige Lichtsituation



Ein besonderer Moment – Minea & die Araberstuten von Martensson Arabians

Das obige Bild entstand - noch zu Zeiten der analogen Fotografie auf Diafilm - auf dem wunderschönen Arabergestüt „Martensson Arabians“ auf Mallorca. Die Stuten waren extra für das Fotoshooting gewaschen worden und eigentlich ganz easy – mit ihnen hatte man keinen besonderen Aufwand.


Das besondere an der Situation und was dieses Bild so emotional und ausdrucksvoll macht, ist, dass das Mädchen, die Tochter der Züchterin, mit diesen Stuten aufgewachsen ist und sie somit von Kindesbeinen an kennt. Dadurch entsteht eine besondere Intimität, die einem spüren lässt, wie sehr die Stuten dem Mädchen vertrauen. Sie steht im wahrsten Sinne des Wortes mitten unter ihnen, sozusagen in einer Wolke von Liebe.


Das letzte Abendlicht gibt der ganzen Situation ein Spotlight – rechts und links liegt schon der bläuliche Schatten auf den Pferden, doch über den Köpfen und auf den Haaren des Mädchens haben wir goldenes Sonnenlicht. Ein leichter Wind, lässt ihre Haare wehen und – ganz wichtig! – sie schaut nicht in die Kamera! Dieses Szene wäre nicht so intensiv, wenn das Mädchen in die Kamera schauen würde. Dagegen blickt sie direkt eine der Stuten an und so spürt man sofort ihre besondere Verbindung zu dieser. Dafür schaut die Schimmelstute ganz freundlich in die Kamera und stellt so die Verbindung zum Betrachter her.


Die Bedeutung der richtigen Kleidung

Das Bild hätte nicht seine zeitlose Eleganz, wenn das Mädchen in Jeans dastehen würde. Wir haben extra im Vorfeld den Kleiderschrank ihrer Mutter durchsucht, um dieses schlichte Abendkleid zu finden. Es war etwas zu lang und wir mussten es hinten abstecken, doch es passte farblich so wunderbar zu den Stuten. Die dunkelste Stelle der Szenerie im Vordergrund ist ihre gebräunte Haut, alles andere jedoch ist geprägt von Weißtönen, die sich mehr oder weniger im Licht abstufen. Dadurch wird die Harmonie der Szene noch verstärkt.







  • Tipp: Man sollte schauen, dass man Personen mit hellen Pferden in heller Kleidung fotografiert und dunkle Pferde mit Personen in dunkler Kleidung. Dadurch erzeugt man eine Zusammengehörigkeit und vermeidet Kontraste, die die digitale Kamera schlecht verarbeiten kann. Wenn man das Ganze dann vor einen dunklen Hintergrund bringt, wie in diesem Fall treten die Pferde und das Mädchen noch plastischer hervor.

Der Zeitpunkt der Fotografie, also der Sonnenuntergang, ist zwar sehr gut gewählt, birgt in sich aber einige Gefahren: 


  • Wenn man sich nicht beeilt, ist die Sonne weg und die Magie verschwunden.

  • Fängt man zu früh an, hat die Sonne noch nicht diese gold-leuchtende Farbqualität.

Wie so oft, ist alles eine Frage des Timings und der Kooperation mit den Pferden. Diese Szene, die so ruhig und zufällig aussieht, bedarf einer guten Vorbereitung. 




Drum herum stehen Menschen, die dafür sorgen, dass die Pferde sich nicht vom Platz bewegen und die sich trotzdem ganz still verhalten, um die Aufmerksamkeit der Pferde nicht abzulenken. Viel Konzentration und eben so viel Sensibilität haben zu einem herrlichen Bild geführt.


Natürlich hat die Kamera bei so wenig Licht Probleme mit der Verschlusszeit. Da die Stuten aber kaum den Kopf bewegten, konnte ich mit 1/500 Sekunde arbeiten – geradeso, dass das wehende Haar auch noch scharf geworden ist. Von der Brennweite her habe ich mich für 200 mm entschieden, damit wird die Situation durch dem Zoom noch dichter wirkt. Die Blende muss aber dabei so weit geschlossen werden, dass auch noch das hintere Pferd scharf wird, was mit einer Blende von 5,6 noch gewährleistet war. Die ASA-Zahl lag bei 400 - damals bedingt durch den analogen Diafilm.


Im Gegensatz zur heutigen Digitalfotografie, konnte ich die Lichtempfindlichkeit des Films nicht von Bild zu Bild verändern und musste zum Anschauen der Ergebnisse des Fotoshootings mehrere Tage bis nach der Entwicklung des Diafilms warten - ein nervenaufreibenden Geduldsspiel – da hat man es heute deutlich einfacher!

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