Friesengespann im Jahr 1994

Bildgeschichte


Regen und Gischt ziehen in Schwaden vom Deich heran und hüllen die Pferde ein. Zwei prachtvolle schwarze Hengste tänzeln ungeduldig im Geschirr und werfen ihre Köpfe in die Luft. Die langen Mähnen werden vom Wind gepeitscht. Neben ihnen bewegt sich eine weitere Nebelgestalt, ein Mann, der gerade energisch die letzte Silberschnalle an den Schaftstiefeln schließt. Dann drückt er den Zylinder tiefer in die Stirn, zieht das Leder seiner Handschuhe straff, ergreift die Zügel und setzt sich auf die hochrädrige Sjees. Der stürmische Wind zerrt an seinem schweren Manteltuch und stülpt die Pelerine machtvoll nach hinten. Kaum spüren die Friesen das Gewicht ihres Herrn auf der Kutsche, sind sie schon nicht mehr zu halten und stürmen davon, dem Meer entgegen. Als ihre Hufe über die Bohlen der Holzbrücke donnern, schrecken zwei Schwäne auf, die kreischend mit ihren mächtigen Schwingen losschlagen. Fast wird das schwarze Gespann mit seinem finster drein blickenden Fahrer vom grauen Mantel des Nebels verschluckt. Doch ehe der letzte Laut der Hufe verhallt ist, reißt die Wolkendecke auf und lässt ein paar magische Sonnenstrahlen hervorleuchten. Für einen Moment wird das wild dahin rasende Gespann auf dem Deich wie von einem Scheinwerferkegel beleuchtet. Dann ist es verschwunden, der Himmel zieht sich wieder zu, und die Welt scheint im wild daher brausenden Sturm unterzugehen.


Was klingt wie die Einleitung zu einem Roman, ist einer jener magischen Momente, wie sie mir bei meiner Fotoarbeit immer wieder geschenkt werden, Momente, die einen tief im Innersten berühren und so intensiv lebendig sind, dass man erschauern möchte. Und immer wieder sind es Pferde, die mir diese Augenblicke schenken und die mich mit Menschen zusammen bringen, die ganz ähnlich empfinden.


Dieses Bild ist ein Scan eines alten Dias - damals im Zeitalter der analogen Fotografie hatte man bei solch schlechten Lichtverhältnissen bei weitem nicht die Möglichkeiten wie heute. Man fotografierte mit Filmen, die eine feste Lichtempfindlichkeit hatten - meist ISO 200 oder 400 und die das Bild deutlich "körnig" erscheinen ließen.


Heute fotografiert man bei trübem Licht schnell mal mit ISO 2000 bis 4000 und bekommt richtig brillante Ergebnisse. Wahnsinn, wie sehr sich die Fotografie und unsere Sehgewohnheiten in nur 24 Jahren verändert haben!

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